Ludwig Herr

Familie Herr

Podcast zu Ludwig Herr

*08.05.1890 +24.01.1945 Mechaniker

Ludwig Herr war 1922 und 1931 für die KPD im Kornwestheimer Gemeinderat. Ab 1928 war er hauptamtlicher Sekretär der »Roten Hilfe«. Anfang 1933 wurde er mit seinem Sohn Fritz ins KZ Heuberg gebracht und von dort in das KZ Oberer Kuhberg Ulm überführt. Dort erhielt Ludwig Herr die Nummer 2565 und blieb dort bis 1937. Es ist weiterhin dokumentiert, dass er sowohl in den Lagern Welzheim, Flossenbürg und Dachau interniert war. Von Dachau kam er ins KZ Neuengamme, wo er schließlich nach insgesamt 12 Jahren Haft am 24. Januar 1945 starb (Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm).

Die offizielle Todesursache lautete Lungenentzündung. Laut Aussage eines Mithäftlings (Staatsarchiv Ludwigsburg) war es aber anders: Ludwig Herr hatte durch einen Unfall (1923/24) die rechte Hand verloren. In Neuengamme hatte er eine Gruppe von russischen Inhaftierten zu beaufsichtigen, die an einer Maschine arbeiten mussten. Als die Maschine hakte, versuchte er sie wieder in 
Gang zu setzen. Dabei kam er in die Maschine und seine noch verbliebene linke Hand wurde verletzt. Vermutlich ist er an der unversorgten Verletzung verstorben.

Gerne würde ich an dieser Stelle auch noch ein paar Zeilen meiner Großmutter, Lina Herr, geb. Grießmayer, widmen: 1912 wurden sie und mein Großvater Ludwig Herr ein Paar. 1915 zogen sie nach Kornwestheim. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Über viele Jahre musste Lina, deren Mann immer wieder inhaftiert war und zwischen 1933 und 1945 ohne Unterbrechung in verschiedenen KZs interniert war, die ganze Last und Verantwortung alleine tragen. In keinem Betrieb in Kornwestheim bekam sie Arbeit. Selbst einfachste Putztätigkeiten durfte sie nicht ausüben. Im April 1933 wurde auch sie, Mutter von fünf Kindern, von der Gestapo abgeholt und nach einem »kurzen Verhör« für vier Wochen im Frauengefängnis Gotteszell inhaftiert. Der 18-jährige Sohn Fritz wurde in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert und für mehrere Wochen im berüchtigten »Hotel Silber« von der Gestapo verhört. Der 21-jährige Sohn Willy musste in die Emigration. Lina Herr blieb auch nach 1945 ihrer Gesinnung treu und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in Ludwigsburg. 1967 ist sie verstorben. (VVN-BdA Streiflichter Nr. 2)

Renate Benger-Wagner