Georg Müller

Georg Müller

 

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* 24.1.1903

+ 16. Dezember 1940 in Grafeneck.

Gastwirt

Georg Müller, geboren in Kornwestheim, war das vierte von insgesamt zehn Kindern der Familie Gottlieb Müller. Er machte eine Ausbildung zum Mechaniker in der Gewerbeschule Feuerbach. Es ist weiterhin bekannt, dass er im Jahre 1928 im hessischen Heppenheim eine nicht weiter spezifizierte Zusatzausbildung absolvierte. Aus den Patientenblättern des Staatsarchivs in Ludwigsburg geht hervor (Aufnahmebuch 10 222), dass Georg Müller 1928 im Alter von 25 Jahren erkrankte und im darauffolgenden Jahr – 1929 auf eigenen Wunsch in der Psychiatrischen Klinik in Tübingen Aufnahme gefunden hatte. Es gibt Patientenberichte beginnend am 03.10.1929 und weiter vom 12.11.1929 bis 10.12.1929. Aus den Angaben vom 03.10.1929 – vermutlich dem Protokoll eines Aufnahmegespräches, das in der Universitäts-Nervenklinik in Tübingen stattgefunden hat – konnten folgende Informationen entnommen werden: »Georg Müller wurde von seinen Brüdern zur Klinik begleitet. Diese führten bei dem Gespräch mit dem aufnehmenden Arzt an, dass er […] in der Autowerkstatt seines Bruders gearbeitet habe. Er sei »ein außerordentlich zuverlässiger, pünktlicher, gewissenhafter und umsichtiger Arbeiter gewesen. […] Seit einem Jahr sei er immer interesseloser und apathischer geworden, habe ›nicht mehr gehauen und gestochen‹ , sich immer mehr zurückgezogen. […] Dabei immer gutmütig […] habe sich über die Gründe seiner Wesensveränderung nie ausgesprochen, sei immer ausgewichen. Mitunter tagelang keine Silbe gesprochen, dann wieder einen Abend lang vergnügt ›Sprüche gemacht, wie früher‹ . […] habe auch schwierige Fachbesorgungen einwandfrei erledigen können, bis in die letzte Zeit, jedoch namentlich in den letzten Monaten immer müden, etwas stumpfen Eindruck gemacht. […] In den letzten 14 Tagen sowohl bei Tag als auch bei Nacht viel unverständliches Zeug vor sich hingemurmelt […] nicht aus dem Haus zu bringen gewesen.«

Georg Müller wird zu seinem Werdegang befragt und äußert sich selbst dazu. In den Patientenakten sind folgende Notizen dazu zu finden: »Als Kind nie ernstlich krank. In der Schule sehr gut gelernt, dann als Mechaniker in die Lehre. In den folgenden Jahren in verschiedenen Stellen, immer gute Zeugnisse bekommen. Seit 2 Jahren beim Bruder. Demselben in allem geholfen. 1924 zum ersten Mal mit den Nerven zu tun. Immer so matt und müde. Zu viel Lebenskraft verloren durch zu viel Arbeit und Vergnügen.[…] Sommer bzw. Herbst sei er im homöopathischen Krankenhaus Stuttgart, später im Krankenhaus Ludwigsburg mehrere Wochen wegen seiner Nerven behandelt worden. […]« Am 10.12.1929 ist in der Akte vermerkt, dass Georg Müller von Tübingen nach Göppingen überwiesen wurde.

Im Juni 1940 wurde er als ungeheilt in die Weißenau überstellt. Am 05.12.1940 ist der »Austritt« in Weißenau dokumentiert. Wohin Georg Müller überführt worden war, ist unklar. In der Gedenkstätte Grafeneck liegt allerdings ein Gedenk- und Namensbuch aus, in dem Georg Müller mit zugehörigem Geburtsdatum wieder zu finden ist. Daher ist davon auszugehen, dass er in Grafeneck ermordet wurde.

Am 2. Februar 1941 ist laut einem Predigttext »der Sohn dem Grab der Mutter übergeben«.

Hans Müller und Brigitte Kienzle